Sooooo, meine Sandra-Junkies, da bin ich wieder!!! Endlich raus aus dem Krankenhaus. ENDLICH!!!
Wo fange ich denn mal am besten an zu erzählen? Hmm. Einfach mal der Reihe nach: Nachdem ich letzte Woche Dienstag früh morgens raus bin, mich nochmal richtig sattgefrühstückt hatte und die letzten Sachen gepackt habe bin ich mit meiner Patentante los ins Krankenhaus. Erstmal Patientenanmeldung, Voruntersuchung, OP-Gespräch, Stationsaufnahme und das ganze Blabla und die ganze Bürokratie, die mich schonmal den halben Tag da gekostet hat.
Irgendwann hab ich dann aber doch noch mein Zimmer auf der HNO-Station bekommen. Ein Zwei-Bett-Zimmer. Na super, dacht ich mir. Sonst bin ich verwöhnter Privatpatient ja nur Einzelzimmer gewohnt gewesen. Aber nunja. Was sollte ich machen. War nunmal so. Meine Bettnachbarin, eine Frau etwa Anfang 40, die ich aufgrund ihres nach Spott quasi bettelnden Nachnamens im Folgenden “liebevoll” Frau Ricotta-Soße nennen werde, war dann aber halbwegs in Ordnung. Ganz nett und ansonsten hat sie mich in Ruhe gelassen und ich sie. Mich hat nur genervt, dass ihr Mann wirklich die GANZE Zeit bei ihr war und sie obendrein auch noch anderweitig viel Besuch bekam, in dem kleinen Zimmer. Whatever.
Ansonsten konnte ich nicht klagen. Privatpatienten haben Zimmer auf der Südseite mit Balkon und Blick auf das ganze Krankenhaus und jedes Bett hatte ein ziemlich modernes TV-Telefon-Internet-System. Also brauchte ich Fernseh-Junkie trotz Bettnachbar mich nicht großartig einzuschränken.
Und die Krankenhauskost ist wirklich schmackhaft. Ich weiß echt nicht, warum das im Allgemeinen immer so einen schlechten Ruf hat.
Nach dem Abendbrot (was es übrigens schon um 17:30 Uhr gibt!!!) war dann Nüchternheit angesagt, weil ich gleich früh am nächsten Morgen operiert werden sollte. Um 6 Uhr früh wurde ich dann aus den Federn geworfen, bekam sozusagen zum Frühstück eine Thrombosespritze in den Bauch und durfte mich dann in strapsenartige Thrombosestrümpfe, einen Einmal-Netz-OP-Slip und ein wunderschönes rückenoffenes OP-Hemd werfen. Dann gings ab zur Anästhesie. Venenzugang legen, OP-Haube über die Haare und diese Dinger auf den Oberkörper, die den Herzschlag überwachen. Dann gings los. Der Arzt spritze mir über den Zugang das Narkotikum, was tierisch im ganzen Arm höllisch brannte. Das war echt ein fieser Schmerz, als würde mein Arm von innen anfangen zu brennen. Dann bekam ich eine Sauerstoffmaske über Mund und Nase, und dann, langsam, irgendwann - Zack - weg. Das ist echt ein lustiges Gefühl, wenn man der Narkose erliegt. Wenn man einschläft, bekommt man das ja teilweise irgendwo noch mit, aber da gar nicht. Ich finds echt lustig.
Das Erste, woran ich mich danach dann wieder erinnern kann, war, dass ich im Aufwachraum lag und sobald mir bewusst war, dass ich gerade meine Mandel-OP hatte, erstmal probehalber einen Schluck-Versuch machte. Dann fasste ich mir mit der linken Hand, an der ich ja immernoch meinen Zugang hatte und an deren Zeigefinger der Klipp zur Sauerstoffsättigungsmessung dran war, ins Gesicht und ertastete, dass ich so eine Sauerstoffmaske an der Nase hatte. Diese Schläuche, wenn ihr wisst was ich meine. Ich bekam meine Augen kaum auf und war noch total duselig; pennte dauernd wieder für ein paar Sekunden (oder Minuten???) ein. Irgenwann (ich hatte total das Zeitgefühl verloren), kam eine Schwester zu mir, die mich fragte, wie es mir gehe und mir zuerst über den Zugang prophylaktisch ein Schmerzmittel und dann eine Infusion, ich glaube Kochsalzlösung, zur Vorbeugung gegen Übelkeit gab.
Ich lag dann da erstmal noch eine Weile, keine Ahnung wie lange. Ich glaube, dass ich irgendwann gemurmelt habe, dass ich möchte, dass man mir die Sauerstoffschläuche aus der Nase nimmt. Und ansonsten war ich ab und zu halbwach oder war total weggetreten.
Irgendwann hab ich gehört, dass jemand auf der Station angerufen hat und gebeten hat, dass ich aus dem Aufwachraum abgeholt werde. Von dem Rückweg im Bett bis zur Station hab ich aber überhaupt nichts mitbekommen. Ich weiß noch, dass ich dann irgendwie wieder im Zimmer lag und meine Bettnachbarin zu mir rübergeguckt hat. Und dann hab ich erstmal geschlafen. Laaaaaange. Bis in den Nachmittag. Und dann war ich echt ziemlich fit! Ich hatte keine Schmerzen, mir war nicht übel und ich war echt ziemlich wach und vital. Mir gings echt überraschend gut!
Alle 45min kam eine Schwester, die meinen Puls, meinen Blutdruck und meine Temperatur gecheckt hat und mir dann auch wieder was zu trinken gab. Den Tag verbrachte ich dann noch im Bett. Und zum Abendbrot gab es das, was es für mich die nächsten drei Tage auch geben sollte: Suppe.
Ich schwörs hiermit: Ich esse nie wieder Spargelcremesuppe!!! NIE WIEDER!!! Die ganzen nächsten drei Tage, morgens, mittags, abends, nur Spargelcremesuppe. Irgendwann dachte ich sogar, dass selbst mein eigener Körpergeruch den Geruch der Spargelcremesuppe annahm. Ich dachte, ich schwitze Spargelcremesuppe. Okay, ich hätte auch was anderes nehmen können: Milchsuppe (was aber nur total dünnflüssiger, lauwarmer Schoko- bzw- Vanillepudding war, der geschmeckt hat wie diese Instant-Tassen-Puddings und somit noch ekliger war) oder Brühe. Diese Brühe hatte keinerlei Gewürze intus, denn die durfte ich ja wegen meines empfindlichen Rachens nicht. War im Prinzip nur lauwarmes Wasser, in dem mal ein Zweig Petersilie gelegen hat. Da war die Cremesuppe noch das geringste Übel. Aber echt. Ich werde NIE WIEDER Spargelcremesuppe essen!!!!!
Oh, und Vanilleeis auch nicht. Denn das durfte ich mir ja auch noch reinpfeifen ohne Ende. War erst eine willkommene Abwechslung neben der ganzen Suppe, aber nach nur einem Tag konnte ich auch das nicht mehr sehen.
Ich brauche an dieser Stelle wohl nicht zu erwähnen, dass mehrere Leute festgestellt haben, dass mein Gesicht ein ganzes Stückchen schmaler geworden sei .
Naja, ansonsten ging es mir aber ganz gut da. Ich bekam am Tag nach meiner OP noch eine Infusion gegen die Schwellung im Hals, die mich beim Sprechen und Schlucken mehr behinderte als die Schmerzen und der Arzt verordnete mir Schmerzmittel, obwohl ich zu dem Zeitpunkt noch gar keine nötig gehabt hätte. Fing erst am dritten Tag an ein wenig zu zwicken im Hals. Naja.
Und sonst war jeder Tag irgendwie gleich. Man wurde morgens zu unchristlichen Zeiten aus den Federn geworfen, bekam als erstes eine Spritze in den Bauch gepiekt, Puls, Blutdruck und Temperatur gemessen und frühstückte dann erstmal seine ganzen Drogen. Hierzu habe ich ein witziges Foto gemacht: Da ich die Tabletten pur schwer runterbekam, musste ich sie mir auf den Löffel legen und mit einem Schlückchen Wasser auflösen. Das Ganze hielt ich, um nicht zu kleckern, über mein Trinkglas auf dem Nachttisch, auf dem unter anderem auch noch Infusionsnadeln lagen. Dieses Bild hatte etwas von einem Heroin-Junkie-Frühstück. Macht euch bitte ein eigenes Bild von dem was ihr da seht!

Nunja. Irgendwie schlug ich die Zeit damit tot, mein extra gekauftes Hörbuch zu hören, Nintendo DS zu spielen und was man nicht sonst noch so macht. Ab und ab bekam ich ein bisschen Besuch von meinem alten Papa, meiner Mutter und meinem Martin oder wurde angerufen und gefragt, wie es mir geht und was ich so tue.
Dann endlich, endlich, endlich nach Tagen der Biss-Abstinenz durfte ich endlich, endlich, endlich wieder halbwegs feste Nahrung zu mir nehmen!!! Was meint ihr, wie göttlich diese zwei total unspektakulären Weißbrote ohne Rinde mit Frischkäse und ein Frühstücksei waren!!! Herrlich. Einfach nur herrlich. Das hat meine Stimmung und meine Energie schlagartig nach oben katapultiert. Und dass ich diese nervigen Thrombosestrapsen ausziehen durfte, sowieso.
Ach, zum Dessert beim Mittagessen gab es an dem Tag dann auch noch Mandelcremepudding. Also weiß ich jetzt auch, was die mit den Dingern angestellt haben.
Nunja. Meine “Mitbewohnerin” Frau Ricotta-Soße (die übrigens jeden Abend mit ihrer Schwiegertochter telefoniert und dabei immer geheult hat in der Annahme, ich würde sie nicht mit den TV-Kopfhörern auf den Ohren hören), war inzwischen entlassen worden und ich hätte auch nicht damit gerechnet, dass ich am Wochenende noch eine neue Bettnachbarin bekomme. Falsch gedacht.
Samstag um 22 Uhr abends bekam ich eine. Notfallpatientin. So n Mist. Aber naja. Die schien zuerst auch noch einigermaßen nett zu sein. War etwa Ende 50. Hat mich zuerst auch noch in Ruhe gelassen. Bloß dann beging ich den Fehler, mich auf eine Konversation mit der alten Frau einzulassen. Und dann hat die mir auch erstmal ein Ohr abgekaut. Und das auch noch auf der Hals-Nasen-Ohren-Station. Muhaha…
Nervig. Ich hab die einfach labern lassen und mich mit den Kopfhörern in mein Hörbuch zurückgeflüchtet. So hab ich die Zeit dann auch ganz gut rumbekommen und hab versucht mich nicht allzu sehr nerven zu lassen. Am vorletzen Tag ist mir allerdings dann doch noch fast der Arsch geplatzt. Vormittags kam ein junger Mechaniker oder sowas in der Art auf unser Zimmer, weil er Routinemäßig die Türen einstellen muss, sodass sie im Falle eines Brandes zuschnappen, damit sich das Feuer nicht ausbreiten kann. Der arme Mann machte nur seinen Job und Frau “Mein-Nachname-endet-auf-einem-A” (ich hasse Nachnamen die auf Vokale enden) regt sich furchtbar drüber auf, dass die Wände ja angeblich so sehr wackeln würden, wenn die Tür bei der Einstellung mit Schwung ins Schloss schnappt. Da hat die den tatsächlich eine Viertelstunde lang festgelabert, dass er doch bitte ins Zimmer zu kommen hätte und sich das anzusehen/-zuhören hätte und das bitte wieder so einstellen soll, wie es vorher war. Meine Fresse!!! Mir tat der Mann so leid, der ihr klarzumachen versuchte, dass er das so machen MUSS und nur weiter und weiter von ihr blöd angemacht wurde. Ich hätte da am Liebsten was gesagt, aber ich hatte keine Lust, dass die mich auch schon wieder volllabert.
Nunja. Dann sollte ich eigentlich Montag entlassen werden. Allerdings gabs es dann noch ein paar Komplikationen. Die Wundbelänge (im Grunde sowas wie Schorf, was im Übrigen super widerlich schmeckt) heilen jetzt und fangen an, sich langsam abzulösen. Das ging bei mir ein bisschen zu schnell und es fing an etwas zu bluten. Nichts spektakuläres und im Grunde hätte ich auch gehen können, aber mein Arzt riet mir, noch eine Nacht zu bleiben, vorsichtshalber. Also war ich so vernünftig und blieb. Schließlich ist dieser Arzt, Dr. Vogt-Hohenlinde, ein verdammt guter Arzt. Der hat schon meine halbe Familie operiert und behandelt. Mir hat er mit 5 Jahren die Polypen entfernt und mit 16 dafür gesorgt, dass ich endlich wieder durch die Nase atmen kann. Und dieser Mann hat ungelogen so geschickte Hände, dass es bei Untersuchungen und Behandlungen bei ihm kein bisschen wehtut. Und dazu noch eine sehr, sehr beruhigende Art. Brillianter Arzt, auf den lass ich wirklich nichts kommen!!!
Bin jetzt noch eine Weile krankgeschrieben und darf alles essen was ich will, ausser zu scharfes und säurehaltige Sachen. Das tut noch weh im Hals. Und schohnen muss ich mich auch noch gründlich. Und nicht zu heiß duschen. Aber wenigstens darf ich mich überhaupt wieder duschen. Ich hatte im Krankenhaus die Wahl zwischen kalt duschen oder nur so waschen. Da hab ich doch lieber letzeres bevorzugt.
Nunja. Und ansonsten alles easy. Habe noch Schmerzmittel verschrieben bekommen, wobei der Hals so nicht mehr wehtut, sondern eher die Ohren, weil dadurch, dass der Hals heilt, der Schmerz nach oben in die Ohren zieht.
Aber was solls. Ich bin endlich zuhause und werde die “Ohren steif halten”.
Achso, und noch ein kleines Schmankerl für die Hartgesottenen unter euch: Ein Foto von meinem Rachen, einen Tag nach der OP: Bitte den Link nur anklicken, wenn ihr wirklich sicher seid, dass ihr das sehen wollt.

Wann habe ich jemals einen so langen Post gelesen? Ich weiß es nicht. Doch, nie. Glaub ich. Jedenfalls hört sich das ganz interessant an (obwohl es wohl grottenlangweilig war). Einen Nintendo DS hätte ich auch gerne… beim Bild am Ende, was is das grüne? So Mandellöcher?^^ Ich habe keine Ahnung von Mandeln!
Martin (der andere) (109 comments)
27. September 2008