Baaah.
Ich bin ja durchaus tolerant. Auch was Religionen angeht. Immerhin studiere ich ja Theologie auf Lehramt. Aber ich selber bin überhaupt nicht gläubig. War ich nie, bin ich nicht und werde es auch nie sein, es sei denn Mr. Allmighty stellt sich mir höchstpersönlich vor.
So. Und heute hatte ich nun eine Infoveranstaltung für alle Theologiestudenten gepaart mit Kaffeekränzchen. Leider hatte das aber auch noch was mit Arbeit zu tun. Boah. Und da hat sich ja in mir alles gesträubt. Da wurden Fragen gestellt, wie “Wie ist Jesus Christus für Sie?” Und da kamen von einigen auch echt so Antworten wie “Jesus ist für mich wie das Licht, wie ein Rettungsbott auf einem tosenden Meer…” und so ein Blabla.
Booooah pfui! Ich bin ja tolerant, aber da kommts mir echt hoch, bei so einem Weichspülchristengehirnwäschezeug. Ich hab mich da schön rausgehalten und habe die anderen Jesusfreaks ihr Zeug erzählen lassen. Und als wir dann mal zu Sprache bringen sollten, warum wir Theologie auf Lehramt studieren habe ich auch klar, wenn auch diplomatisch formuliert, gesagt, dass ich in keinster Weise gläubig oder irgendwie religiös bin, wenn überhaupt ein kulturelles Interesse an Religon habe und auch der Überzeugung bin, dass eine Religionslehrkraft nicht gläubig sein muss. Wurde soweit auch nicht abgestritten. “Gott” sei Dank. Muhaha. ![]()

Hallo Sandra,ich finde deinen Beitrag sehr schmerzhaft in Anbetracht der Tatsache, dass du später Kindern und Jugendlichen Religionsunterricht erteilen willst. Bist du dir darüber im Klaren, welche Erwartungen von Eltern und Kindern an dich als Religionslehrerin gestellt werden…..du sagst, du bist tolerant, aber im gleichen Atemzug sollen sich andersdenkende “verpissen”? Nur aus Berechnung (bessere Chancen bei der Einstellung) Andersdenkende mit deiner Verachtung zu konfrontieren entspricht nicht wirklich deinen vielen positiven Fähigkeiten.
Trotzdem liebe Grüße von Susanne.
Susanne (2 comments)
15. November 2008
Also ich stimme Sandra zu, dass eine Religionslehrerin nicht gläubig sein muss… Es sollte bei den Religionsunterricht z.B. um die Vermittlung christlicher Werte (die ja nunmal unsere Werte sind) gehen und dazu muss man nicht an Jesus oder Gott oder die Kirche glauben… Wenn Eltern ihre Kinder gläubig erziehen möchten (wobei ich hier mal jede persönliche Meinung zu diesem Thema rauslasse) bieten die Kirchen genug Möglichkeiten das neben der Schule zu ermöglichen… Und meiner Meinung nach sollte Religionsunterricht onehin nicht auf Glauben ausgerichtet sein… Immerhin sind wir hier weder in Bayern noch haben wir eine Staatskirche in Deutschland…
Dustn (162 comments)
15. November 2008
Genau, was hat Religionsunterricht mit Glauben zu tun? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man im Religionsunterricht eher eine Abneigung gegen Glauben entwickelt: 10 Jahre katholische Schule hinterlassen eine Wirkung
Generell ist Toleranz ja ganz gut, aber wenn Jesus-Fans (oder sonstige) dermaßen übertreiben, kann man diese einfach nicht mehr ernst nehmen. Immerhin sind die meisten dieser Leute so schlau, ihre Ansichten nur untereinander auszutauschen weil sie wissen, wie sie außerhalb ihrer Welt damit ankommen.
Ich teile Sandras Meinung: Wenn Jesus für irgendwen “ein Licht” ist, ist das schön für ihn. Ich will von solchen, ich sag mal “Sachen”, verschont bleiben.
Marrrtin (46 comments)
15. November 2008
Noch ein Nachtrag: Was sollen denn Eltern und Schüler vom Religionslehrer schon erwarten? Ich kenne jetzt nicht die Inhalte, aber ich würde mir wünschen, dass im Religionsunterricht sachlich und kritisch auf Themen eingegangen wird (Bibelkram und so), aber eine Zelebrierung und Propagierung des Glaubens sollte dort nicht enthalten sein. Sowas gehört wenn überhaupt dann in die Kirche.
Marrrtin (46 comments)
15. November 2008
Was soll ich dem, was meine Vorredner gesagt haben noch hinzufügen? Soweit ist alles gesagt und besser begründen etc hätte ich es auch nicht können.;)
Sandra Herself (138 comments)
15. November 2008
Es ist ein schwieriges Thema, bei dem ich mir selber unsicher bin, inwiefern man das ganze im Religionsunterricht behandeln sollte. Aber ich denke Susanne hat Recht, aber gut Sandra, dass du den Titel geändert hast *thumbs up*
@Marrrtin: Dass man im Fach Katholische Religion eine Abneigung entwickelt, habe ich auch von anderen mitgekriegt. Dumm sowas. Bei uns (evangelisch) ist es nicht so (auch wenn es phasenweise eins meiner Hassfächer ist), und obwohl der Lehrer Pastor ist, wird hier keinem etwas aufgezwungen. Ich muss dazu aber sagen, dass ich Christ bin und ich demnach möglicherweise voreingenommen bin (ich bemühe mich natürlich trotzdem, den Religionsunterricht aus einer neutralen Position heraus zu beurteilen).
Martin (der andere) (109 comments)
15. November 2008
War ja klar, dass Christen zusammenhalten
Wie gut, dass der Großteil meiner Freunde/Verwandten/Bekannten normal ist und zu mir steht 
Sandra Herself (138 comments)
16. November 2008
Wahrscheinlich wäre es aber auch nicht anders, wenn ich evangelische Religion (oder jede beliebige andere) 10 Jahre am Stück eingetrichtert bekommen hätte. Religion und Marrrtin passt nicht zusammen, hat es nie, wird es nie, egal welche es auch gewesen hätte sein können.
Wenns nach mir ginge würde der Religionsunterricht in den Schulen gestrichen und gegen etwas Sinnvolles ersetzt werden. Und damit meine ich nicht “Werte und Normen” oder ähnlichen Quatsch.
Marrrtin (46 comments)
16. November 2008
Nun bin ich auch irgendwie hier gelandet…Wie schön
Zum Thema “Werte und Normen” habe ich einen spontanen Gedanken:
Er beginnt mit der einfachen Frage, woran man/die Gesellschaft sich denn orientieren sollte.
Wir sollten uns auf keinen der Illusion hingeben, dass wir als Individuen (und alle zusammen als Gesellschaft) einfach im “Norm-leeren Raum schweben” und uns aufgrund unserer Vernunft selber konsensfähige Normen (d.h. für alle Mitglieder der Gesellschaft) basteln könnten. Im Gegenteil! Täglich nehmen eine Vielzahl von bewussen wie unbewussten Faktoren Einfluss auf uns und unser Verhalten. Dass diese Faktoren (Werbung, Arbeit, Freunde, Familie …) nicht immer objektiv sind, kongruieren und schon gar nicht immer auf das Wohl aller abzielen versteht sich eigentlich von selbst bzw. liegt in der Natur der Sache.
Eine Verdeutlichung:
40.000 Menschen stehen in einem Stadion. Sie werden gebeten, die Augen zu schließen und mit erhobenem Arm nach Norden zu zeigen. Wenig überraschend gab es 40.000 unterschiedliche “Norden”.
Wir sollten mit dem Ruf, die Basis unserer Gesellschaft, das christliche Werteverständnis, ohne weiteres über Bord zu werfen, sehr vorsichtig sein.
Am Ende hieße es sonst nur noch “Wenn jeder an sich selbst denkt, ist ja an jeden gedacht”. Um Himmels willen!
affenbengel (3 comments)
18. November 2008
“Wenig überraschend gab es 40.000 unterschiedliche “Norden”.”
Und das ist gut so! Es wäre doch einfach nur schlecht, wenn alle Menschen einer Meinung wären und dieselben Werte verträten (und wenn dann alle auch noch christlich denken würden - oha).
“Das wohl aller” sollte doch im Leben eines Menschen aber auch nicht im Vordergrund stehen. Zunächst einmal sollte man sich um um sich selbst und die Leute die einen umgeben kümmern.
“Christliches Werteverständnis als Basis unserer Gesellschaft über Bord werfen?” Ohne mich jetzt viele mit diesem beschäftigt zu haben, wäre es doch viel passender, ein “neutrales” Werteverständnis zu haben. Dieser christliche Kram gehört meiner Meinung nach in die Ecke, in der sich die Fans weiter damit beschäftigen können. Aber davon auszugehen, dass alle sich an diesen Werten orientieren ist falsch.
Marrrtin (46 comments)
18. November 2008
Nunja. Wir behandeln gerade die Tatsache, dass im Laufe der Jahrhunderte so viele Übersetzungsfehler in die Bibel gehauen wurden! Das ist unglaublich. So war Maria keine Jungfrau, sondern eine junge Frau. Nichts vonwegen unbefleckter Empfängnis. Nichts mit Gott-Hokuspokus.
Das beweist mir persönlich nur noch mehr, dass es sowas nicht gibt. Man könnte auch an den Weihnachtsmann glauben, käme auf etwa dasselbe
Sandra Herself (138 comments)
18. November 2008
Nun, weil es so schön war und wir noch so jung sind, gell
@Martin:
“Und das ist gut so”
Niemand hat davon gesprochen, dass alle einer Meinung sein sollen - ich habe mich bemüht deutlich zu schreiben. Bitte würdige das, indem Du meinen Text aufmerksam liest. Danke
“Zunächst einmal sollte man sich um um sich selbst und die Leute die einen umgeben kümmern”
Nun, lieber Martin, wo ziehst Du die Grenze? Wer gehört denn zum “erlesen Kreis”? Schon mal Bafög oder sonst eine Zahlung erhalten? Dann möchte ich meinen Teil der Steuern und den meiner Engsten gerne wieder von Dir haben - Du würdest nämlich nicht zu meinem engsten Kreis gehören. Ich hoffe, Du verstehst den sozialen Aspekt meiner Aussage. Unsere Gesellschaft basiert darauf, dass wir anderen helfen. Nichts anderes wollte ich ausdrücken.
“Ohne mich jetzt viele mit diesem beschäftigt zu haben,”
Stimmt, Du hast Dich nicht wirklich damit beschäftigt. Sorry, dass ich Dir dieses Zeugnis aussprechen muss. Nur ein kleines Beispiel, um zu verdeutlichen, worum es mir ging: Wusstest Du, dass die ersten “Krankenhäuser” ihren Ursprung in Kirchen haben? Gelebte Nächstenliebe. Heutige Krankenhäuser haben oft nicht mehr viel damit zutun. Ist aber auch nicht unbedingt notwendig - die Idee hat sich weiterentwickelt. Das ist auch gut so - aber ohne sie, gäbe es u.U. kein Gesundheitswesen, wie wir es heute kennen.
Darum ging es mir letztlich. Niemand redet davon, alle gegen den Willen mit Bibeln auszustaffieren oder mit christlichem Gedankengut zu malträtieren. Das geht ja auch nicht. Ich empfinde Deine Aussagen jedoch als sehr oportun: auf der einen Seite bist Du Zeit Deines bisherigen - wahrscheinlich noch jungen Lebens - Nutznieser unseres Sozialsystems gewesen. Das wiederum unstrittig christlich geprägt ist. Auf der anderen Seite, meinst Du es ad absurdum führen zu können.
Konsequent wäre doch, wenn Du das System als christich-infiltriert boykottieren würdest - zahl nicht mehr ein und nimm keine Leistungen mehr in Anspruch
affenbengel (3 comments)
18. November 2008
“zahl nicht mehr ein und nimm keine Leistungen mehr in Anspruch”
Bin schon dabei: Seit wenigen Monaten werde ich z.B. nicht mehr dazu gezwungen, Geld an eine Krankenversicherung zahlen zu müssen. Deren Dienstleistungen nehme ich seit mindestens 10 Jahren nicht mehr in Anspruch. Darüber hinaus habe ich bis auf Bafög, welches ich leider erhalten habe und welches mir geschadet hat, keine weiteren Leistungen bezogen. Arbeitslos melden darf ich mich nicht, Hartz4 steht mir auch nicht zu, außerdem gehe ich auch arbeiten wenn ich krank bin. Ich habe auch in Zukunft nicht vor, irgendwelche Leistungen zu beziehen.
Du kennst dich beim Christenkram natürlich deutlich besser aus als ich, deshalb will ich nicht mehr als unnötig unqualifiziert meinen Senf abgeben, bevor ich mich vielleicht ein bißchen mehr informiere.
Nur noch kurz: Christliche Werte und Nächstenliebe - prima. Darum ging es doch aber ursprünglich auch nicht, sondern darum, dass man kann es mit der Religion und dem Christenkram übertreiben. Jesus ist für mich kein Licht, im Grunde ist Jesus für mich überhaupt nichts. Wenn jemand anders denkt: Schön für ihn. Das toleriere ich, aber wirklich ernst nehmen kann ich “Jesus ist mein Licht”-Leute nicht.
(Das gilt im Übrigen auch für alle anderen Lichtquellen. Ich finde es falsch, sich an Helden und Idolen zu orientieren. Im Grunde fasst es dieser Text hier ganz gut zusammen: http://tinyurl.com/5aeg4q - ich habe gelernt, mich in erster Linie auf mich zu verlassen, das klappt auch ganz ordentlich)
Aber vielleicht kannst du mir ein paar Fragen beantworten:
Wieso sind kommen solche Licht-Äußerungen von Christen nur, wenn sie unter sich sind? Wieso ist Religion (vermeintlich?) so unbeliebt? Und wieso erteilt man in den Schulen “Religionsunterricht” anstelle von etwas Neutralem wie “Werte und Normen”?
Gruß nach Österreich.
Marrrtin (46 comments)
19. November 2008
“Ich habe auch in Zukunft nicht vor, irgendwelche Leistungen zu beziehen.”
Wir werden sehen - time will tell.
Ok - löblich
“Jesus ist für mich kein Licht, im Grunde ist Jesus für mich überhaupt nichts”
Sehr richtig aber auch nicht weiter verwunderlich
“Das toleriere ich, aber wirklich ernst nehmen kann ich “Jesus ist mein Licht”-Leute nicht.”
Ich nehme mir mal heraus, mich als vernünftigen und durchaus ernst-nehmbaren Konversationspartner zu sehen.
Verwunderlich, ich bin so einer
Zu Deinen sehr interessanten Fragen:
1) “Wieso sind kommen solche Licht-Äußerungen von Christen nur, wenn sie unter sich sind?”
Gegenfrage: Wann, wenn nicht unter Christen?! Offenstlich ist doch, dass man sich unter Gleichgesinnten wähnt - ich nehme an, jede Art von “Interessensgruppe” hat eine eigene Terminologie…die für Aussenstehende nicht unbedingt nachvollziehbar ist bzw. nicht allgemein anerkannt sein muss (braucht sie ja auch nicht - sie stellt ja nur eine Konvention IN der Gruppe dar). Das haben Deine/Eure Kommentare hier einmal mehr gezeigt.
2)”Wieso ist Religion (vermeintlich?) so unbeliebt?”
Das kommt auf den Blickpunkt bzw. das persönliche Umfeld an. Von einem atheistischen/agnostischen Umfeld ausgehend, gebe ich Dir Recht…Religion/Glaube ist da nicht der Bringer
Meiner Erfahrung nach konnotiert ein guter Teil der “Religionskritischen” mit dem Begriff Religion in erster Linie Regeln und Restriktionen, die einen nur einschränken…und damit in eine Richtung lenken, in die man eigentlich nicht will.
Nitzsche meinte sogar, dass Religion Opium für das Volk sei. Dem stimme ich sogar zu…WENN es in der Auslebung der Religion nur darum geht, bestimmt Verhaltensmuster zu zeigen, die von einem erwartet werden. Dann nämlich ist der einzelne “Gläubige” völlig orientierunslos, klammert sich sklavisch an jedes Gebot und jede Weisung vom Geistlichen und ist somt im wahrsten Sinn unmündig. Da das nicht dem Kern und der Intention des Glaubens entspricht, empfehle ich jedem, der so lebt, es besser sein zu lassen.
3) “Und wieso erteilt man in den Schulen “Religionsunterricht” anstelle von etwas Neutralem wie “Werte und Normen”?”
Also in Österreich gibt es sowas. Nichts spricht gegen ein duales System - Relgions- und Ethikunterricht und für die, die das nicht wollen. Persönlich stimme ich übrigens Susanne zu und würde ich es vorziehen, wenn mein Religionslehrer etwas damit verbinden kann, was er da vorne verzapft. Schließlich sollte es die Aufgabe eines Lehrers sein, den Stoff nachvollziehbar zu präsentieren. Ich unterstelle mal einem vollkommen ungläubigen Lehrer eine gewisse Befangenheit.
affenbengel (3 comments)
19. November 2008